Die Fabrik der Gebrüder Franz und Anton Ullrich

Quelle: Franz Berthold: "Die Fabrik der Gebrüder Ullrich, eine Pfälzer Industriegeschichte" 1991

Hier, in diesem wunderschönen Anwesen mit dem Erker in der heutigen Markstraße beginnt die Geschichte der späteren Emaillierwerke.

Um 1800 wandert aus Diedesfeld ein Johann Peter Ullrich zu. Sein Sohn Leonhard Ullrich wird der Vater der beiden Erfinder Franz und Anton Ullrich werden.

Leonhard Ullrich betreibt in dem neben abgebildeten Haus einen Landhandel, mit Kolonialwaren und Textilien. 1851 übernimmt der älteste Sohn Anton Ullrich (*1826) das Geschäft seines Vaters, der schon 1838 verstorben war.

Die Brüder Ullrich hatten zwei Schwestern geheiratet und Anton Ullrich etablierte sein Geschäft in dem Anwesen seiner Schwiegereltern.

 

Das Anwesen Ecke Habergasse/Hintergasse bot den nötigen Raum.

Die ersten Geschäftsjahre waren allerdings von einer wirtschaftlichen Krise gezeichnet und Anton Ullrich suchte nach einem zweiten Standbein. Ein Schreiner, dem er bei der Fertigung einer "Elle" zugesehen hatte, brachte ihn auf die Idee, Gelenkmaßstäbe anzufertigen. So entstand die erste Maßstabfabrik auf deutschem Boden. 

Auf der Weltausstellung in Paris Anno 1855 hatte Anton Ullrich eine Teilmaschine zur Graduierung von Meßlatten erworben.

Drei Jahre später bot er seinem vier Jahre jüngeren Bruder Franz die Teilhaberschaft an.

Man erweitert das Sortiment um die Anfertigung von Kuh-und Pferdestriegeln. Da der Platz im Hause begrenzt ist, errichten die Brüder auf den Dieterwiesen die erste bescheidene Fabrikalle.

1886 erweitert man das Programm um die Fertigung von Blechgeschirren und nimmt ein Jahr später eine Verzinnerei in Betrieb.

In den 1870er Jahren begannen die findigen Brüder mit Versuchen, um blecherne Rohware zu emaillieren. Schon 1877 war man erfolgreich und gründete ebenfalls auf den Dieterwiesen das erste Emaillierwerk in einer Halle von 2600 qm. 1880 konnte das Werk den Betrieb aufnehmen.

Unser Bild zeigt den ehemaligen Haupteingang zu den Ullrichschen Werken auf den Dieterwiesen, heute Hartmannstraße/Ecke Prälat-Eichenlaub-Straße.

Schon 1884 war eine erste Erweiterung vonnöten. Man erwarb 7000qm und baute darauf drei weitere Hallen und die Verwaltungsgebäude (im Bild).

Zu dieser Zeit beschäftigt die Firma schon 250 Mitarbeiter.

1886 wird der Firma Ullrich das Patent "Neuerung an Gelenkmaßstäben mit Federsperrung" erteilt; der Klappmeter, wie wir ihn heute kennen, beginnt seinen Siegeszug in Maikammer.

1890 trennen sich die beiden Brüder und Franz Ullrich siedelt sich mit seiner Fabrik in Annweiler an, wo sein Sohn Gustav schon eine Meterfabrik gegründet hatte.

Am 24.04.1890 wird die Firma "Emaillier-und Stanzwerke vormals Gebrüder Ullrich" ins Handelsregister eingetragen und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Der Umsatz an emaillierten Geschirren nimmt rasant zu und man erweitert den Betriebszweig. 1887 gründet man in Schifferstadt ein Emaillierwerk. Da das Werk über keine eigene Rohfertigung verfügte, mußte die Rohware mit pferdebespannten Möbelwagen nach Schifferstadt gebracht werden. 

1904 kauft man in Kirrweiler das

Emaillierwerk der Gebrüder Kessler aus Sankt Martin, welches kurz zuvor konkurs gegangen war.

1914 beschäftigt die Gesellschaft 506 Arbeiter und 31 Angestellte.

Der erste Weltkrieg bereitete der Firma Schwierigkeiten. Zum einen mußten Granathülsen gefertigt werden, zum anderen brachen der französische und der russische Markt vollkommen ein. In beide Länder bestanden bis 1914 blendende Geschäftsbeziehungen.

1918 gibt man die Maßstabsfertigung auf. 1925 stirbt Kommerzienrat August Ullrich, der Sohn von Anton Ullrich. Danach wird es um die Firma still.

1928 geht das Unternehmen in Konkurs.

Die restlichen Waren werden verkauft, jeder Backstein ebenso. Einige Häuser in Maikammer wurden aus Steinen der Fabrik erbaut.

1930 sprengen Speyerer Pioniere die verbliebenen sechs Schornsteine.

Der Konkurs der Firma Ullrich bedeutete für Maikammer eine große Not: 450 Familien waren erwerbslos.

Der Bau der Kalmitstraße schließlich war die einzige Möglichkeit, die vielen Arbeitslosen wieder zu einer Beschäftigung zu führen.

Die Geschichte der Firma Ullrich birgt viele Besonderheiten, wie zum Beispiel die der Zarenbecher.

Hier können wir nur einen kleinen Abriß bieten.