Haus MarktsTraße 5

Das Haus des Metzgermeisters  Rösser

Der aufwändige Renaissancebau in der Gewanne im Kirchengarten (heute Marktstraße Nr. 5) wurde von dem Metzgermeister Johannes (Hans) Rösser (gesch. 1565 -1600) erbaut. Das Gebäudeensemble ist das architektonisch interessanteste profane Bauwerk in der Ortsgemeinde Maikammer und dem Ortsteil Alsterweiler. Es besteht aus einem Hauptgebäude, einem Anbau mit Torbögen und einem Hinterhaus mit Scheune.

 

 

Das Hauptgebäude aus dem Jahre 1600 hat zwei Voll- und drei Giebelgeschosse (Treppengiebel). Diese sind durch profilierte Gesimsbänder voneinander getrennt. Der Treppengiebel sitzt auf zwei Konsolen mit sorgfältig behauenen Halbreliefs, die den Tod (nach Westen) und das Leben (nach Osten) darstellen. Die Eckseiten des Hauses sind mit großen Sandsteinblöcken betont. Die Wandflächen sind verputzt.

In den Geschossen eins und zwei befinden sich Doppelfenster. Diese sind ebenso wie das Einzelfenster im 3. Obergeschoss mit profilierten und verzierten Gewändern umrahmt. Ganz oben in der Giebelwand ist ein rundes Fenster eingesetzt. Das Erdgeschoß (mit dem ehemaligen Zugang) zeigt rechts und links des Portals zwei Einzelfenster. Sie sind mit geschwungenen Fenstergewändern umgeben, die nach oben hin spitz zulaufen und einem gotischen Giebel nachempfunden sind. Das ehemalige Zugangsportal wird nochmals von zwei Säulen umrahmt.

 

Das Hoftor in den Siebziger Jahren vor der ersten Restaurierung

Haupthaus und Torbogen weisen eine äußerst reichhaltige Ornamentik auf. Mittig am Hauptgebäude sitzt ein Portal, das als Kellereingang zur damals bestehenden Metzgerei diente. Der Hausspruch auf dem darüber liegenden Gesims soll angeblich erkennen lassen, dass auf dem Anwesen einst ein Brunnen existierte (www.club-sellemols.de). Von einer anderen Auslegung der Inschrift geht das Ortsfamilienbuch Maikammer-Alsterweiler aus. Demnach soll die Textstelle „Grmen“ nicht als „Brunnen“, sondern als „Grinen“ (also Grünen) zu lesen sein. Beim Vergleich der beiden Anfangsbuchstaben G (siehe in der gleichen Inschrift bei „Gott“) und B (bei „Brand“) kann es sich nur um ein G handeln, ebenso beim letzten Wort „Genanndt“. Insofern ist eine Auslegung des Wortes „Grmen“ als Brunnen ausgeschlossen. In der Schriftzeile folgt dann das Wort „Eppig“, was nach dem Pfälzischen Wörterbuch (dort als Eppich) eine Bezeichnung für Petersilie oder Efeu ist (Pfälzer Wörterbuch 2018). Demnach dürfte sich in dem Anwesen eine Gaststätte befunden haben, die sich „Zu dem Grünen Efeu“ nannte. Die vollständige Textzeile lautet:

„Gott beschutze dieses Haus vor wasser Fäyer onnd Brandt ond zu dem Grinen Eppig istes Gennandt“

Die verkleinerten Napoleon-Hüte über den Fenstern des ersten Stockwerkes könnten darauf hindeuten, dass der geschlagene französische Kaiser Napoleon I. im Jahre 1813 bei seinem Rückzug aus Russland (nachweislicher Aufenthalt in Sankt Martin) auch in diesem Haus Halt machte. Zu diesem Haus soll es ein identisches Pendant, das sogenannte „Kröpfchenhaus“ in Colmar im Elsass, geben.

Der klassizistische Anbau wurde um das Jahr 1900 errichtet. Er setzt sich deutlich vom Renaissancehaus ab. Die jeweiligen Baustile und ihre typischen Gestaltungselemente sind gut erkennbar.

Rechts an den klassizistischen Anbau schließt ein imposanter, ebenfalls reich verzierter, Renaissancetorbogen aus Sandstein an. Besonders hervorzuheben sind der Schlussstein sowie das sorgfältig ausgearbeitete Beschlagwerk. Es handelt sich dabei um ein typisches Gestaltungselement an Gebäuden der Renaissance. Es ist ein schwachplastisches, reliefartiges Flächenornament. Das bandartige, in der Fläche ausgelegte Ornament (aus dem Rollwerk abgeleitet) ahmt aufgenieteten metallenen Beschlag nach. Es erweckt beim Betrachter den Eindruck, mittels imitierter Nagelköpfe auf der Wandfläche angeheftet zu sein. Das Beschlagwerk soll auf den Antwerpener Bildhauer, Baumeister und Ornamentstecher Cornelis Floris (1514-1575) zurückgehen. Im späten 16. Jahrhundert wurde diese Ornamentik in den Niederlanden entwickelt und

verbreitete sich dann vor allem in Deutschland. Der Torbogen wird von zwei Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen geziert, auf denen in Augenhöhe ebenfalls Ornamente aufgesetzt sind. Die Säulen ruhen auf mächtigen profilierten Sockeln.

Ornamentik am Hauptportal, sowie am Kellerportal

Das Hinterhaus besitzt einen polygonalen noch vollständig erhaltenen Treppenturm. Im Turm führt eine Spindeltreppe aus Sandstein in die oberen Geschosse. In der Spindel sind zahlreiche Steinmetzzeichen eingeschlagen. Im Treppenturm ist ein Sandstein eingebaut, der Erbauungszeit und Namen des Erbauers zeigt.

Erbauer

Der Erbauer war der Metzgermeister und Schultheiß (Dienstzeit: 1597) Hans Rösser: Am Bogenscheitel des zugemauerten ehemaligen Haustores befinden sich das Metzgerzeichen und seine Initialen. Die Engelsköpfchen am Rundbogen geben den Hinweis darauf, dass er sich auch als Schultheiß betätigte.

Im inneren des Treppenturms, 80er Jahre. Rechts ist die Spindel zu sehen und links der steinerne Handlauf

Im Inneren des Anwesens

Das Wappenschild zeigt die Kürzel des Namens Hans Rösser (H R) und das Metzgerbeil als Symbol für seinen Beruf

Ornamentik am Kellereingangsportal

Die drei in Stein gehauenen „drohenden“ Löwenköpfe an der Hausfront des gegenüberliegenden Bauernhauses Rassiga sollen ein Hinweis darauf sein, dass die Nachbarn einst verfeindet waren.

Flurname

Der Flurname im Kirchengarten geht auf einen Friedhof zurück, der sich an dieser Stelle befand. Hier befand sich auch das alte Rathaus der Gemeinde Maikammer.
Um 1619 war der Kirchgarten „Freygarten“ des Winzinger (heute Stadtteil von Neustadt an der Weinstraße) Mönchhofs. Dieser Hof war ein ehemaliger Wirtschaftshof des Klosters Eußerthal. Die Wiesen im Kirchengarten wurden durch den Kirchbach bewässert (Ziegler 1975).

 

Der Renaissancebau ist zusammen mit dem Anbau und dem Hinterhaus als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen (Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP 2017).

 

Die hier gezeigten Bilder stammen aus dem Privatarchiv von Antonie Wilhelm