Heiligenstatuen

und Madonnen

Die Zugehörigkeit Maikammer-Alsterweilers zum Hochstift Speyer bedeutete, daß die Einwohner unseres Dorfes verpflichtet waren, dem katholischen Glauben anzugehören.

Dies bedingte unter anderem das im Augsburger Religionsfrieden 1555 beschlossene Rechtsprinzip, das mit der lateinischen Redewendung

"cuius regio, eius religio" (wessen Gebiet, dessen Religion) Einzug in die Geschichtsschreibung nahm.

Hier bestimmte also der Landesherr die jeweilige Religion seiner Untertanen.

Bemerkenswert ist dies, wenn man die Zersplitterung unserer Region in einzelne Herrschaftstümer betrachtet. So waren zum Beispiel die Gebiete, die zur Kurpfalz gehörten, allesamt protestantisch geprägt.

 

In unserem Dorf  waren deswegen vor und auch noch nach dem 30-jährigen Krieg überwiegend Katholiken zu finden.

 

Johannes Leonhardt schreibt in seiner "Geschichte von Maikammer-Alsterweiler, (Neuausgabe 1984, S. 167ff.), daß um 1602 nur 5 Lutheraner und 1 Wiedertäufer wohnhaft waren.

weiter:

 

"1718 sind bei 204 Haushaltungen 3 Judenfamilien und 1 Nichtkatholik

1747 waren 2 Judenfamilien hier.

1823 sind keine Protestanten hier, 1836 3  und 27 Juden.

 

Als die Emaillierfabrik fremde Arbeiter einstellte und die Freizügigkeit kam, vermehrten sich die Protestanten."

 

Lutheraner und Wiedertäufer hatten kein Anrecht darauf, auf dem eigentlichen Kirchhof bestattet zu werden.  In einer Einwohnerzählung taucht 1602 der Eintrag eines Peter Schmitt auf. Dieser schwer zu lesende Eintrag wurde lange Zeit als "ist caluinisch worden und beyd Kreitsweg und under boschung +" ( bedeutet: Ist calvinistisch geworden und beim Kreuzweg unter der Böschung beerdigt).
Dies deutet unter anderem Richard Wittmer ("Die Flur von Maikammer-Alsterweiler") aber auch in der Ortschronik (Seite 333) wird diese Deutung so erwähnt.

Das würde bedeuten, daß am Kreuzweg eine Begräbnisstätte gelegen hat.

Der Pfeil auf der aktuellen Karte verdeutlicht die etwaige Lage des früheren Kreuzweges.

Martina Stoeckl teilt mit, daß nach neuesten Erkenntnissen der Eintrag allerdings richtig transkribiert heißen muß:

"ist caluinisch worden von weg(en). d. kretore(??) und andrer bosheyten".

Somit entfällt der Hinweis auf den Kreuzweg als Begräbnisstätte.

 

Bei anderen frühen Protestanten taucht der Kreuzweg ebenfalls nicht auf:

Peter Herdel wurde 1611 "und(er) dem Nußbaum od(er) Hold(er)stock" begraben, beim um 1608 verstorbenen Leonhard Frischermorgen heißt es (in der Einwohnerzählung nachgetragen) "obyt. und und(er) dem Nußbaum begrab(en)".

Wo immer nun dieser Nußbaum stand, ob auf dem Kirchhof an einer designierten Stelle oder z.B. am "Bussiergärdel" zwischen Maikammer und St. Martin, wo früher anscheinend die Juden beerdigt wurden läßt sich allerdings nicht sagen.

 

Das "Bussiergärdel" (von franz.: "poussage"= "Flirt", das dt. Verb "poussieren" gehörte vor 1900 zur "Jugendsprache"), bzw. der vermeintliche "Judenfriedhof" befindet sich auf der Kreuzung des Stotzweges mit dem Spielfeldweg (früher Viehtrift) und dem Waldweg:

Als Zeichen tiefer Frömmigkeit und Glaubenszugehörigkeit haben sich gerade in den Dörfern die zum Hochstift Speyer gehörten, viele religiöse Bildnisse erhalten. Neben den bekannten Flurkreuzen und Bildstöcken sind dies vor allem Madonnenstatuen aber auch Kruzifixe, die an Privathäusern zu finden waren. Glücklicherweise haben bei uns viele Madonnenstatuen und Bildstöcke die Wirren der Französischen Revolutionskriege überstanden oder wurden hernach wieder aufgestellt.

 

Unser Chronist Johannes Leonhardt schreibt hierzu (Geschichte von Maikammer-Alsterweiler, Neuausgabe 1984, S. 60):

 

"Am 19. Juli 1798 wurde an Stelle des christlichen Kalenders der republikanische gesetzt. Schon am 31. März 1798 wurde zum erstenmal hier und Umgebung die Dekade als neuer Ruhetag bei Musik und Trommmelschlag gefeiert. Die Feste des Herrn und der Heiligen wurden abgesetzt bis auf Weihnachten, Christi Himmelfahrt, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen. Auf Kreuzerhöhung (14. September) 1798 wurden alle Kreuze, auch das auf dem Kirchhof umgerissen, das Muttergottesbild über dem Portale der Kirche wurde mit Brettern zugemacht."

 

1802 folgte im Zuge der Säkularisation die Versteigerung der Nationalgüter.

Grundlage der Säkularisation war das 1801 abgeschlossene Konkordat, in dem die kirchenrechtliche Genehmigung der Säkularisation gegeben wurde. Danach wurden am 9. Juni 1802 mit einem Konsularbeschluss („Arreté des Consuls“) die kirchlichen Verhältnisse neu geregelt.

Mit Ausnahme der Bistümer und Pfarreien wurden fast alle geistlichen Einrichtungen aufgehoben und ihr Besitz dem französischen Staat übertragen.

Zur Aufbesserung der Finanzen des französischen Staates wurden die säkularisierten Güter in den folgenden Jahren versteigert und gingen überwiegend an private Käufer.  So ging zum Beispiel das Gut Kredenburg in die Hände der gebrüder Lederle, Hambach über.

Das zum Kloster St. Klara gehörige Gut in der Turmstr. 6-8 (Alsterweiler) wurde am 06.12.1803 als Nationalgut an Philipp Jakob Steinbrunn von Edenkoben versteigert.

 

Im folgenden Untermenü finden Sie die Beschreibungen der einzelnen Madonnen, die sich durch die Stürme der Zeit in Maikammer und Alsterweiler erhalten haben. Wir beginnen mit der ältesten Madonnenfigur, der Immaculata an der Kurpfalz-Apotheke (Weinstraße Nord Nr. 6)